PROJEKTBESCHREIBUNG  ASSISTIERTE DIALYSE

Aktuell werden in Deutschland ca. 85.000 Patienten mit einem Nierenersatzverfahren behandelt. Während die Zahl der zu behandelnden dialysepflichtigen Patienten bis 2020 um ca. 20 % zunimmt, rechnet man mit einem Rückgang von nephrologischem Fachpersonal im selben Zeitraum um ca. 8 % (IGES 2015, Status quo und Zukunft der Heimdialyse).

Ein möglicher Lösungsansatz um die Versorgungslücke zu schließen könnte die Stärkung und der Ausbau der Heimtherapieverfahren sein, insbesondere der Peritonealdialyse. Dadurch wird den Patienten ermöglicht im häuslichen Umfeld zu verbleiben. Aus medizinischer Sicht wäre dem nichts entgegen zu setzen, ca. 80 % aller dialysepflichtigen Patienten könnten aufgrund ihrer Erkrankung sowohl mit einem Peritonealdialyseverfahren als auch mit einem Hämodialyseverfahren behandelt werden. Derzeit liegt jedoch der Anteil der mit Peritonealdialyse behandelten Patienten in Deutschland bei nur ca. 7 %. Dieser geringe Anteil ist im Wesentlichen der Altersstruktur und der damit oftmals einhergehenden Einschränkung von Selbständigkeit geschuldet.

Organisatorische Strukturen zur Unterstützung hilfebedürftiger dialysepflichtiger Patienten werden bislang in Deutschland nur sehr begrenzt und mit hoher Motivation der nephrologischen Teams in einzelnen Regionen umgesetzt. Einzelfallentscheidungen für die Leistungsvergütung der Behandlungspflege „Assistierte Peritonealdialyse“, die bislang nicht in den HKP Richtlinien definiert ist, verkomplizieren die Realisierung dieser für den Patienten und die Gesellschaft nutzbringende Versorgungsalternative. Die Leistung wird häufig gar nicht oder nur unzureichend vergütet, während sich in unseren Nachbarländern Frankreich und Dänemark diese Versorgungskonzepte bereits erfolgreich etabliert haben. In Frankreich werden 58 % der über 70jährigen Dialysepatienten mit assistierter Peritonealdialyse versorgt.

Zur Umsetzung und Förderung der „Assistierten Dialyse“ hat sich in Deutschland eine Arbeitsgruppe über alle Versorgungsstrukturen und Berufsgruppen hinaus gebildet und das Netzwerk Assistierte Dialyse – NADia gegründet. Ziel des Netzwerkes ist es, die assistierte Dialyse zu etablieren und schlanke Prozessstrukturen für eine schnelle Umsetzung dieser Therapieoption zu generieren unter anderem durch

  • Verbleib der Patienten im häuslichen Umfeld
  • Unterstützung der Peritonealdialyse und Heimhämodialyse durch examinierte Kranken- und Altenpflegern im häuslichen Umfeld des Patienten
  • Aus- und Weiterbildung von examinierten Kranken-und Altenpflegern nach einem zertifizierten Curriculum
  • Erstellung von Datenbanklösungen für schnelle organisatorische Umsetzung von kleineren Netzwerken in einzelnen Regionen
  • Definition des Leistungsspektrums (ca. 60–120 Minuten Behandlungspflege pro Tag)
  • Regelung der Vergütung

Das Potenzial innerhalb dieser Versorgungsmöglichkeit ist bereits vorhanden und ergibt sich alleine schon aus der demografischen Entwicklung der Patientenpopulation und der daraus resultierenden Notwendigkeit, Therapie und Fachpflege von geriatrischen Patienten zu verbinden. Das nephrologische Fachpersonal ist dafür nur unzureichend ausgebildet. Weitere synergistische Effekte ergeben sich aus

  • Steigerung der Lebensqualität der Patienten
  • Individualisierung der Dialysetherapie
  • Reduzierung von Transportkosten (z.B. beatmetet Patienten, Liegendtransporte, etc.)
  • Reduzierung der Hospitationsrate (gerade Patienten mit kardiorenalem und hepatorenalem Syndrom profitieren stark von der Therapie mit Peritonealdialyse)

WORKFLOW ASSISTIERTE  DIALYSE